miezes welt

leben gehen.

Gelesen: Peter Prange – Der letzte Harem

Die Handlung des Buches ist in die Zeit zwischen 19. & 20. Jahrhundert im damaligen Osmanischen Reich, der heutigen Türkei gelegt. Die Freundinnen Fatima, eine Tscherkessin und gläubige Muslimin und Elisa, einer Armenierin und Christin, 9 Jahre alt, erleben in einer schicksalschweren Nacht, wie ihr Dorf, nach einem Streit zwischen den vielen Religionen im Dorf, nach einer Explosion in Flammen aufgeht. Von einem Menschenhändler in den Sultansharem nach Konstantinopel gebracht, will Fatima sehr bald nur noch dem Sultan gefallen, während Elisa sich nach der Sehnsucht nach Freiheit fast verzehrt und durch eine glückliche Fügung eine der engsten Vertrauten des Sultans wird, während Fatima es tatsächlich schafft, zu eine der Favoritinnen Abdülhamids zu werden. Dann jedoch versinkt das Osmanische Reich und mit ihm der ganze Glanz des Harems, der Sultan geht ins Exil. Beide Freundinnen bleiben erst zusammen, gehen beide ihren ganz eigenen Weg, entfernen sich jedoch nach einem Streit, wie es scheint für immer, voneinander bis sie sich unter eher unglücklichen Umständen wiedertreffen.

Das Buch erzählt gleichzeitig realistisch und erzählend über diese eine für den Leser unbekannte Welt und man tut sich sehr schwer, das Buch wirklich aus der Hand zu legen. Dieser Erzählstrang ist fesselnd und betörend zugleich und jeder stellt sich die Handlung beim Lesen in anderen Farben vor. Man entwickelt bei diesem Buch Bilder, es kommt einem so vor, als säße man im Kino oder besser noch mitten im Geschehen und bekäme alles mit. Bewundernswert und -achtenswert finde ich, dass Peter Prange auch den armenischen Genozid 1918 nicht auslässt oder gar verschweigt (wie es heute noch oft passiert), sondern durch die Figur Elisa schildert, genauso wie Armut, Diskriminierung und Hass. Jede Figur scheint im Übrigen den richtigen Platz zu haben in der Geschichte, ob vom Jungrevolutionär, vom Eunuchen, von der 4. Ehefrau des Sultans, vom deutschen Arzt, der die preußische Tugend satt ist, was die Erzählung ungeheuer spannend macht, außerdem sind Sprache und Stil gut gewählt.

Ich persönlich war von diesem Buch sehr fasziniert, obwohl ich eigentlich dem historischen Roman eher abgeneigt bin, weil ich immer die Vorstellung habe, mich nicht richtig reinversetzen zu können oder die Handlung nicht überzeugend genug ist, um die nötige Emphatie zu entwickeln, doch dieses Buch reicht viel weiter als das und ich kann nur dem, der hier darauf aufmerksam geworden ist, empfehlen, das Buch mal zu lesen.

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1 Kommentar»

  Gelesen 2009 « miezes welt wrote @

[…] Peter Prange: Der letzte Harem […]


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