miezes welt

leben gehen.

Archiv für November, 2009

Gelesen: André Gorz – Brief an D.

Das Buch ist in Briefform geschrieben und ca. 80 Seiten lang. Auf diesen Seiten stehen die wohl rührendsten und schönsten Worte, die man einem Menschen nur widmen kann. Es wird das hauptsächlich das Zusammenleben und vor allem auch die gegenseitige Liebe des Ehepaar Gorz beschrieben, denn sie, Dorine, 83-jährig, ist schwer krank, leidet unter einer unheilbaren Krankheit und er blickt zurück, sieht das Wirken seiner Arbeit auf die französische Gesellschaft, den Kontakt zu Jean-Paul Sartre, der ebenfalls Philosoph war und in vielen Dingen die gleiche Meinung vertrat (z.B. das bedingungslose Grundeinkommen). Der Brief sollte das letzte Zeugnis der beiden sein, denn sie nahmen sich am 22.9.2007 in ihrem Haus in Frankreich gemeinsam das Leben.

Dies war wohl eines der schönsten, klarsten Liebesgeständnisse, die ich je lesen durfte. Die 80 Seiten waren schnell gelesen, einen noch viel größeren Eindruck hinterließen sie auf mich. Ein Mann sieht seine Frau, wie sein Herz sie sieht und fühlt. So deutlich. So wahr. So schön.

Als ich das Buch gerade zu Ende las, ich saß im Zug und hatte noch einen langen Weg vor mir, war ich so gerührt, dass ich zu weinen anfing. Ein Mann, der im selben Abteil saß, schaute natürlich nicht schlecht, als mir die Krokodilstränen nur so aus den Augen rannen. Ich denke, das unterstreicht das Wertvolle des Buches, ich kann es wirklich jedem empfehlen, mal zu lesen.

#24 [Zeit haben]

Mancher sagt, er habe nie Zeit. Für den Haushalt, fürs Lernen und so weiter, manches muss aber getan werden. Der Abwasch zum Beispiel. Das Buch zur Bücherei zurückbringen. Die Vorlesungen zusammenfassen. Es gibt immer was zu tun. Für Freunde. Für den Wellensittich.

Ich denke mir: Zeit haben ist relativ, weil Zeit auch relativ ist. Natürlich habe ich einen vollen Kalender. Natürlich weiß ich, dass ich meine Zeit gerade auch anders nutzen könnte und lernen könnte. Beispielsweise. Aber alles zu seiner Zeit. Und ich bin dann mal wieder weg. Schönen Tag noch…;)

#23

„(…)Schweren Herzens kehre ich zu Shankar zurück. Hammerschlägen gleich hallen Swapna Dewis Worte in mir nach. Wie einen tollwütigen Hund will sie Shankar loswerden. Nie zuvor habe ich so gegen meine Armut aufbegehrt wie in diesem Augenblick. Ich wünschte, ich könnte dem Hund sagen, er hätte sich vor dem Zubeißen vergewissern sollen, ob sein Opfer auch für das Gegenmittel aufkommen kann.( …)“

auf S. 302 aus Vikas Swarup „Rupien, Rupien!“.

An der Stelle des Buches stirbt ein guter Freund des Erzählers, der, wie der Erzähler selbst nicht besonders reich ist, an Tollwut nach einem Hundebiss. Kurz vor seinem Tod verstößt auch dessen Mutter ihn, die, trotz ihres Reichtums, das Gegenmittel für ihren Sohn nicht bezahlen möchte.

 

 

#22 [Lieblingswetter]

Heute ist es, wie die letzten Tage, sonnig, kalt und klar. Die Sonne lässt einem das herbstliche Herz aufgehen. Der Atem wird sichtbar an der kalten Luft und es gibt beim Ausatmen silberscheinende Wölkchen. Die Wangen werden rosig, warm eingepackt lässt sich dieses Wetter am besten genießen. Es ist mein Lieblingswetter, nicht Sommer oder Winter, sondern das im Herbst, im Oktober und November. Auch im Februar taucht dieses Wetter auf. Der Sommer ist mir eindeutig zu warm. Der Winter, wenns schneit, zu kalt, zu depressiv….ich mag auch die bunten Blätter, die farbigen Bäume und den blauen Himmel, die kreiselnden hellbraunen Ahornsamen vorm Fenster, die auf den ersten Blick aussehen, wie kleine braune Falter oder kleine Vögel. Ich mag drinnen Tee trinken und draußen spazieren gehn….bunte Herbstfotos machen. Hoffentlich bleibts noch lange so.